top of page

Group

Public·11 members

Die Macht Um Acht (46) (Podcast)



Ich liebe es, wenn Paul sagt: Wachet, steht fest im Glauben; seid mannhaft, seid stark! (1. Korinther 16:13) Oder: Schließlich: Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke! (Epheser 6:10) Oder: Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist; (2 Timotheus 2:1)




Die Macht um Acht (46) (Podcast)



Aber wir dürfen hier keinen Fehler machen. Das Streben nach dieser Macht ist nicht der Weg zu menschlicher Macht und Stolz. Es ist der Weg des unaufhörlichen Kampfs mit sich selbst. Die größte Macht, die die Menschen auf dieser Welt haben, ist die Macht, nicht zu sündigen. Die Macht der Heiligkeit und Liebe.


Das sind O-Töne aus den letzten Wochen. Seit dem Angriff Putins auf die Ukraine am 24. Februar frühmorgens, ist nichts mehr wie zuvor. Die deutsche Außen- und Verteidigungspolitik hat in nur 72 Stunden eine 180-Grad-Wende gemacht.


"Ich appelliere noch einmal an die Soldaten der Ukraine! Lasst nicht Neo-Nazis und Nationalisten eure Kinder, Frauen und alten Menschen als menschliche Schutzschilde benutzen. Ihre Väter, Großväter und Urgroßväter haben nicht gegen die Nazis gekämpft, um unser gemeinsames Vaterland zu verteidigen, damit die heutigen Neonazis die Macht in der Ukraine übernehmen können."


"Insofern, als dass der jetzige Präsident der Ukraine beispielsweise, Herr Silensky, ja Jude ist und sozusagen eines der wenigen Länder außerhalb von Israel, wo Juden in hohen Positionen sind die Ukraine ist. Insofern ist es mit der Entnazifizierung natürlich ein vorgeschobenes Propaganda Argument. Es macht aber insofern Sinn für Putin, weil er natürlich anschließt an diesen Diskurs des Zweiten Weltkriegs oder wie man Russland sagt, des Großen Vaterländischen Krieges, wo ja der Kampf gegen die Nazis und gegen den Faschismus geführt wird. Und er versucht sich eben in diese Tradition von 1941 bis 45 zu stellen und damit sozusagen natürlich auch zu betonen, dass das moralische Recht auf Russlands Seite sei."


"Es war die komplette Neuerfindung einer anderen Realität. Die russischen Medien haben ausgedachte Falschmeldungen verbreitet. Unglücklicherweise haben wir international, nicht nur in der Ukraine unglaublich viel Zeit damit verbracht das zu erklären. Ich hatte ewige Gespräche mit auswärtigen Journalistinnen und Journalisten, die einfach nicht einsehen wollten, dass russische Medien sich tatsächlich Geschichten ausdachten, einfach lügten."


Die Frage, die sich alle natürlich gerade stellen: Wie sieht das die russische Bevölkerung? Hängt die auch den Großmachtfantasien eines russischen Zarenreichs in den Grenzen von 1917 an - oder ist das eine Privatfantasie Vladimir Putins? Historiker Jan Claas Behrends:


"Dieses Großmachtdenken ist zumindest in den Eliten natürlich sehr weit verbreitet. Dass Russland sich schon als Großmacht definiert im osteuropäischen Raum und auch eine grundsätzlich andere Herangehensweise hat an die Souveränität seiner Nachbarn. Schon unter Jelzin war klar, dass Russland eigentlich sozusagen die Souveränität von kleineren Staaten wie Estland, Lettland und Litauen nur bedingt anerkennt, dass ein viel aus russischer Sicht dann sozusagen Staaten minderen Ranges ist, die eigentlich sozusagen ihre Politik mit Moskau abstimmen sollten. Das ganze Ausmaß der Kämpfe des Sterbens, auch letztendlich dieses militärischen Einsatzes wird ja gar nicht im russischen Fernsehen gezeigt, sondern wird den Leuten vorenthalten."


Iwan Urgant macht in Russland eine populäre Comedyshow. Gaufman meint: Künstler wie er schaffen es, Kritik an der Regierung auch im Staatsfernsehen unterzubringen. Man muss nur zwischen den Zeilen lesen können.


Der Komiker Iwan Urgant hat sich übrigens für Frieden in der Ukraine stark gemacht. Seine Comedy-Show wurde zumindest vorerst abgesetzt. Genau wie weitere TV-Sender Russlands, die am 1. März ihre Sendeerlaubnis verloren haben.


"Ich will es nochmal deutlich sagen, das sind nicht irgendwelche Verrückten, die sich ausgedacht haben, sowas zu tun, sondern es sind in der Regel staatliche Institutionen dieser Länder, die diese Maßnahmen ganz gezielt einsetzen, um damit auch eine politische, militärische oder andere Strategie zu verfolgen. Also wir sollen nicht so naiv sein zu glauben hachja, die können ja gar nichts dafür, sondern das sind irgendwelche Leute, die sich das ausgedacht haben, irgendwelche Gangster, die damit nur irgendetwas erringen wollen, sondern das sind ganz gezielte Maßnahmen, die ihr in ihrer Art und Umfang auch nur durch staatliche und mit staatlicher Unterstützung eingesetzt werden können. In einer neuen Form von Krieg, der geführt wird. Also hier geht es gar nicht mal mehr darum, dass Soldatinnen und Soldaten auf dem Schlachtfeld mit dem Gewehr rumlaufen, sondern hier wird eine Form von Kriegsführung genutzt, um andere Gesellschaften zu destabilisieren, um politische Systeme umzuwälzen, um z.B. internationale Allianzen aufzubrechen."


"Das bedeutet, dass wir mit öffentlich zugänglichem Material aus allen möglichen Quellen arbeiten. Von Satellitenbildern auf Google Earth bis zu Social Media, zum Beispiel Videos auf Twitter und Youtube. Damit untersuchen wir eine Vielzahl von Vorfällen. Die meisten kennen uns wahrscheinlich durch unsere Recherchen über den Abschuss des Fluges MH17 oder durch unsere Ermittlungen zu russischen Attentaten. Das hat die russischen Behörden auf uns aufmerksam gemacht und machte uns auch zum Ziel von Desinformation."


"Einer der wichtigsten Fähigkeiten, die wir Menschen beibringen, ist etwas, das sich Geolokalisierung nennt. Nehmen wir an, wir haben ein Video und wollen nachweisen, wo das gedreht wurde. Auf Social Media bekommt man in der Regel wenige Metadaten, wenn überhaupt. Und selbst dann muss man hier nochmal genau alles überprüfen. Also nutzen wir Elemente des Videobilds an sich und versuchen damit herauszufinden, wo das gedreht wurde. In dem Fall MH17 hatten wir ein Foto, das von einer Garageneinfahrt aus aufgenommen wurde und einen Buk-Raketenwerfer auf der Straße zeigte. Im Hintergrund ist ein Laden und ein paar andere Gebäude. Es wurde behauptet, dass es an einem von zwei Orten, die in Frage kamen, aufgenommen wurde. Wir wollten es aber genau wissen. Da war dieses Laden-Schild im Hintergrund. Das haben wir gegoogelt - ein sehr einfaches Werkzeug. Wir haben herausgefunden, dass es diesen Laden nur an einem der möglichen Orte gibt. Aber durch diese Suche haben wir die vollständige Adresse herausgefunden. Mit dieser Adresse konnte man dann die Satellitendaten abfragen. Nachprüfen, ob die Position der Gebäude und anderer Details, die man im Hintergrund gesehen hat, stimmen. Darüber sind wir dann aber noch auf einen Youtubekanal gestoßen, auf dem jemand Videoaufnahmen dieser Orte gemacht hat. Dadurch hatten wir plötzlich ein weiteres Vergleichsbild von vor Ort und konnten beweisen, wo das Bild mit der Buk-Rakete entstanden ist."


"Naja. Das ist über die Jahre ganz schön eskaliert. Ich mein: Das hat 2015 angefangen, als wir Russland mit dem Abschuss von Flug MH17 in Verbindung gebracht haben. Der Gegenwind kam dann aus den pro-russischen Medien. Sputnik und Russia Today waren kritisch uns gegenüber, haben uns Amateure genannt. So was eben. Später wurde es dann immer mehr und immer zielgerichteter. In einem Jahr sind zum Beispiel 50 Artikel über mich persönlich erschienen in all diesen russischen Blogs und Webseiten. Wir wussten, dass die Hälfte davon mit russischen Trollfabriken zusammenhängt - besonders weil sie alle meinen Namen auf dieselbe Art falsch geschrieben haben. Und dann wurden wir noch durch diversen Cyber-Attacken angegriffen."


"Das muss man wirklich differenziert betrachten, insofern, als man dann hinschauen muss. Unterschiedliche Generationen, nicht die ältere Generation, das weiß man ganz gut aus soziologischen Studien auch die schaut mehr dieses staatliche Fernsehen. Das heißt, sie klebt dann auch vielleicht ein bisschen enger an den Putin Narrativen und dann Provinz oder oder Hauptstädte, Petersburg, Moskau oder weit abgelegene Gebiete nicht. In Petersburg und Moskau haben viele Leute Freunde im Westen. (..) Aber letztlich kann man, glaube ich, schon im Großen und Ganzen sagen, dass also selbst für die Armee und die Soldaten jeder hat heute ein Smartphone oder die Familien haben zumindest Smartphones. Natürlich diese digitale Welt, auch diese digitale Vernetzung gegen Putin ein Stück weit arbeitet nicht. Und man sieht das jetzt ja auch in den letzten Tagen, dass man von Moskauer Seite sehr stark versucht, sozusagen die Nutzung auch dieser westlichen Medien einzuschränken. Also man hat ja versucht, Facebook jetzt zu blockieren. Das hat wohl nicht ganz funktioniert, auch Twitter aus Russland raus zu drängen. Wenn man nicht glauben würde, dass das viel Einfluss hätte auf die eigene Bevölkerung, würde man das ja nicht machen."


[32:58] Wir nehmen diese Folge am 14.03.2022 auf und wissen genau: Wenn sie rauskommt, wird sie vermutlich schon wieder veraltet sein. Neue Eilmeldungen sind auf unseren Smartphones aufgeschlagen, neue Dinge erschienen, die ganz dringend unsere Aufmerksamkeit benötigen. Nach acht Folgen dieses Podcasts kommen wir nicht umhin uns zu wünschen, dass es ja vielleicht auch anders sein könnte. Dass nicht der oder die Lauteste das Rennen im Internet macht, sondern diejenigen, die verlässliche Informationen liefern.


"Ich denke im Prinzip und es wird vielleicht noch radikaleres Umdenken benötigen, aber im Prinzip diese Vernetzung und diese demokratisierenden Möglichkeiten, die vor allem am Anfang des Internets ganz klar im Vordergrund waren, die Hoffnung. Die sind ja eigentlich noch valide und real. Nur wurden die von diesen kommerziellen großen Plattformen glaube ich so ein bisschen platt gemacht und die haben das vereinnahmt. Und wenn man sich davon wieder was zurückholen kann, dann glaube ich, gibt es ja auch große Chancen für digitale Demokratie und kollektive Intelligenz, sozusagen wie wir, wie wir vielleicht auf Lösungen und Entscheidungen kommen."


About

Welcome to the group! You can connect with other members, ge...
bottom of page